Die Geschichte des Internets




Wie es begann...



Anfang der 60er Jahre machte sich eine der Denkfabriken des "Kalten Krieges", die "RAND Corporation" in den USA Gedanken über ein strategisches Problem: Wie sollten die US - Machtinhaber, - Behörden und - Militärs nach einem Nuklearkrieg untereinander die Kommunikation aufrecht erhalten?

Ein atomar verwüstetes Amerika würde ein Kommando- und Steuerungsnetzwerk benötigen, das alle Städte und Staaten, sowie alle militärischen Stützpunkte miteinander verbindet. Wie schwer auch die Verwüstungen (auch des Netzes selber) gewesen wären, die funktionsfähigen Teile sollten nach wie vor in der Lage sein, untereinander zu kommunizieren.

Wie aber sollte dieses Netzwerk selbst gesteuert werden? Jede zentrale Behörde oder jede zentrale technische Einheit würde naturgemäss das Risiko des Ausfalls in sich tragen, egal wie gut sie geschützt wäre. Sie wäre selbst wahrscheinlich ein bevorzugtes Ziel gegnerischer Angriffe geworden. Unter höchster militärischer Geheimhaltung begann die "RAND Corporation" - vermutlich im Jahre 1962 - damit, dieses Problem zu untersuchen. Die von Paul Baran (ein damaliger Mitarbeiter der RAND Corporation) erarbeiteten Lösungsvorschläge wurden erstmalig 1964 veröffentlicht. Das wichtigste daran waren zwei Punkte:

1. Das Netzwerk sollte keine zentrale Steuerung und damit auch keine zentrale Autorität erhalten.
2. Das Netzwerk sollte von Beginn an so ausgebildet werden, dass schon kleinste Komponenten komplett funktionsfähig wären.

Erste Schritte...



In den 60er Jahren wurde dieses Konzept ohne wirklichen Fortschritt zwischen RAND, MIT und UCLA herumgereicht, aber das erste kleine Testnetz, das wirklich auf diesen Grundlagen realisiert wurde, stand in Grossbritannien. 1968 wurde es vom dortigen National Physical Laboratory in Betrieb genommen. Aber nur kurze Zeit später entschied das Pentagon, ein wesentlich grösseres Projekt in den USA zu realisieren. Als Knoten sollten seltene und sehr teure Hochgeschwindigkeits-Supercomputer eingesetzt werden (oder was man damals dafür hielt).

Im Frühjahr 1969 wurde der erste dieser Computer in der kalifornischen Universität installiert. Im Dezember waren dann schon 4 Universitäten mit so einem Knotenrechner ausgestattet und über schnelle Datenleitungen miteinander verbunden. Die Advanced Research Projects Agency war federführend bei dem Aufbau und gleichzeitig Namensgeber des Netzes: das ARPA-Net war geboren. Mit Hilfe des ARPA-Netzes waren die Wissenschaftler in der Lage, Computerdaten und -programme auf fremden Rechnern über weite Entfernungen direkt zu nutzen und diese Rechner Ihren Wünschen entsprechend zu steuern. Dieses Netz entwickelte sich schnell weiter, so dass 1972 bereits 37 Knoten existierten und man stellte fest, dass es hervorragend funktionierte. Ebenfalls 1972 verschärfte das Pentagon die Zugangskontrollen zum Netz. Um dieses auch nach aussen zu demonstrieren, wurde es zusätzlich umbenannt. Es entstand das "DARPA-Net", wobei das "D" für "Defense" stand. Heute wird trotzdem auch für den Zeitraum nach 1972 oftmals vom ARPA-Net gesprochen.

..und Resultate



Bereits im zweiten Jahr hatte sich gezeigt, dass sich das ARPA-Net zu einer staatlich subventionierten elektronischen Post entwickelt hatte. Der hauptsächliche Datenverkehr entstand nicht durch das Fernbedienen von Computern, sondern durch den Austausch von Neuigkeiten und persönlichen Nachrichten. Die Forscher nutzten das ARPA-Net, um Projekte abzusprechen, um Erfahrungen auszutauschen und vielleicht auch, um den einen oder anderen Witz zu verbreiten. Die Leute hatten ihren persönlichen Netzzugang und ihre persönliche Adresse für ihre elektronische Post. Sie nutzten das Netz zwar nicht ausschliesslich zu diesem Zweck, aber sie waren geradezu enthusiastisch über die ihnen dadurch entstandenen Möglichkeiten; wesentlich enthusiastischer jedenfalls, als über die Möglichkeit der Fernbedienbarkeit von Computern. So hatte man die ersten sog. "Mailing-Listen" entwickelt; eine Technik des Rundsendens im Netz, bei der dieselbe Nachricht an alle Abonnenten einer solchen Liste verschickt wurde. Das mussten nicht zwangsläufig beruflich bezogene Listen sein. Bezeichnenderweise entstand eine der ersten wirklich grossen Mailinglisten im ARPA-Net als Zusammenschluss der SF-Fans im Netz und trug den Namen "SF-LOVERS". Die Netzadministratoren der einzelnen Knotenrechner verfolgten das Geschehen zwar eher skeptisch, konnten es letztendlich aber nicht verhindern.

Das "Internet" entsteht...



In den 70er Jahren wuchs das Netz beständig. Teils in Form des DARPA-Netzes und teilweise in Form des neuen "CSNET" (Computer Science Research Network), das von den US-Universitäten ab 1973 parallel aufgebaut wurde, da durch die restriktiven Zugangskontrollen der Militärs zum DARPA-Net die Möglichkeiten der Wissenschaftler stark eingeschränkt wurden. Es gab allerdings viele Verbindungen zwischen den beiden Netzen (Die Wissenschaftler nutzten einfach die damals enormen übertragungskapazitäten des DARPA-Net mit!) . Die dezentrale Struktur des Netzes machte eine Erweiterung sehr einfach. Solange neu hinzukommende Maschinen nur die paketorientierte "Sprache" dieses neuen "anarchischen" Netzwerks beherrschten, war es gleichgültig, wem sie gehörten, welchen Inhalt sie hatten, oder wie ihr Name war.

Die ursprünglich entwickelte "Sprache", das Protokoll, mit dem sich zwei Nachbarknoten unterhalten, wurde NCP genannt, "Network Control Protocol". Doch bereits 1972 hatte sich die INTER-Network Working Group formiert, um auf der Grundlage von NCP ein gemeinsames Protokoll zu erstellen, dass die Datenübertragung zwischen unterschiedlichsten Hardware-Plattformen und vor allem zwischen autonomen Netzen ermöglichen sollte. Es entstand ein befriedigenderer Standard, der bekannt wurde unter dem Namen: TCP/IP. TCP, oder "Transmission Control Protocol", beschreibt, wie Nachrichten in Pakete zerlegt werden und am Ziel wieder zur Originalnachricht zusammengesetzt werden können. IP, oder "Internet Protocol", wird benötigt, um die Pakete zu adressieren, damit sie über diverse Knoten oder auch Netzwerke mit verschiedensten übertragungsstandards (also nicht nur DARPA's NCP, sondern auch andere, wie z.B.: Ethernet, X.25,...) ihren Weg (ihre Route) finden.

Ab 1977 wurde nur noch TCP/IP benutzt, um andere Netzwerke mit dem DARPA-Net und untereinander zu verbinden. Das DARPA-Net blieb bis 1983 unter strengster Pentagon-Kontrolle, dann wurde der militärische Bereich komplett aus dem Netz entfernt und als autonomes MILNET weitergeführt. Gleichzeitig wurde das ARPA-Net auch intern auf das TCP/IP-Protokoll umgestellt. Um das ARPA-Net herum wuchs eine immer grössere Anzahl an neuen Netzmitgliedern (und natürlich auch Netzen) heran, die die ursprüngliche Bedeutung dieses Ur-Netzes mit der Zeit immer mehr relativierten.

...und wächst



Im Laufe der 70er und noch mehr im Laufe der 80er Jahre erhielten immer mehr unterschiedliche Gesellschaftsgruppen Zugang zu leistungsfähigen Computern. Die Netzgemeinde war nicht mehr auf Militärs, Regierung und Universitäten beschränkt. Es wurde schliesslich immer einfacher, diese Computer an das ständig wachsende "Netz der Netze" anzuschliessen. Durch die zunehmende Verbreitung von TCP/IP kamen immer mehr Netze an "das Internet" heran, indem Datenleitungen von bisher autonomen Netzen zu bereits im Internet integrierten Netzknoten geschaltet wurden, wodurch die darin enthaltenen Netzknoten ihrerseits wiederum zu Internet-Netzknoten wurden. Da die Software (also das Programm), die das Protokoll TCP/IP realisierte, sog. "Public-Domain" war, also für jedermann gegen Zahlung von marginalen Beträgen zu erwerben war, und die physikalische Struktur des Netzes von Natur aus dezentral ist, war es schwierig, die Leute davon abzuhalten, sich an jeder beliebigen Stelle in das Netz "einzuklinken". Eigentlich wollte das auch niemand. So wuchs also ein vollkommen chaotischer Verbund von unterschiedlichsten lokalen Netzwerken aus der ganzen Welt zu etwas zusammen, das dann unter dem Namen "Internet" bekannt wurde.

Probleme



1984 begann die National Science Foundation, einen Nachfolger für das vollkommen überlastete ARPA-Net aufzubauen. Das NSF-Net hatte grössere und schnellere Knotenrechner, mehr und schnellere Datenleitungen und wurde permanent aus- und umgebaut. So hatte man bereits 1986 ein (in den USA) flächendeckendes Netz aufgebaut, in dem die Netzknoten mit 56kbit/sec miteinander kommunizierten. Dieses Netz wurde bekannt als "das Internet-Backbone".Im Jahre 1990 wurde dann endgültig das Ende des ARPA-Net verkündet (Wobei das NSF-Net natürlich weitergeführt wurde). Andere Organisationen schlossen sich dem NSF-Net an, oder bauten eigene Netze auf, so z.B. die NASA, die amerikanische Gesundheitsbehörde, usw....

Die Masse der Netze und Knoten wurde schnell unüberschaubar und man versuchte, die Netze nach ihrer geographischen Zugehörigkeit mit Namen zu unterteilen, so steht z.B. das Kürzel "de" für Deutschland. Zusätzlich gründete man sechs Basisbereiche, die sog. "Domains": gov, mil, edu, com, org und net (solche Abkürzungen sind von Anfang an fester Bestandteil des TCP/IP Protokolls gewesen). Gov, mil und edu standen für die drei Pioniere des ARPA-Net: Government (Regierung), Military (Militär) und Education (Bildung/Universitäten). "Com" markierte den Bereich der Commercials, also der Wirtschaft, die explosionsartig und mit brutaler Gewalt das Netz expandierte. Die org-Domain blieb anderen Organisationen vorbehalten, die nicht auf Profitbasis arbeiteten. Mit "net" schliesslich wurden alle Computer bezeichnet, die als "Gateways", also als Zugang zu anderen Netzen fungierten. Um die Verwendung weiter unterteilender Domain-Namen zu ermöglichen, wurden weltweit diverse sog. "DNS-Server" aufgebaut, die die Zuordnung von Namen zu Netz-(IP-)nummern ermöglichten.

Die Entwicklung geht weiter



Einen ungeheuren Wachstumsschub bekam das Internet durch die Entwicklung des "World Wide Web" in den Jahren 1989/1990. Durch eine abstrakte Seitenbeschreibung konnte man ein relativ einheitliches Erscheinungsbild der gleichen Seite auf unterschiedlichen Rechnern erreichen. Mit der Entwicklung und Verbreitung sog. "Browser-Software" zur Anzeige dieser sowohl Text als auch Grafik enthaltenden Seiten, war der Siegeszug des WWW nicht mehr aufzuhalten. Zusätzlich können diese Seiten "Hyperlinks" enthalten, die auf andere WWW-Seiten verweisen und diese durch Anklicken mit der Maus dem Benutzer direkt verfügbar machen.

Heutzutage geht man von mehreren hunderttausend Knotenrechnern im Netz aus und die Nutzerzahl hat zweistellige Millionenbeträge erreicht. Schätzungen gehen z. Z. von 40 Millionen Usern aus. Jede Angabe muss dabei aber pure Schätzung bleiben, da auf Grund seiner dezentralen Struktur nirgendwo im Netz erfasst werden kann, welche Knoten wo in diesem gigantischen Netzwerk aufgebaut wurden und wieviele User dann auf ihnen arbeiten (Zumal sich diese Angaben vermutlich auch noch im Sekundentakt ändern!).

Die Wachstumsraten des Internet sind beeindruckend. 1991 z.B. wuchs das Netz um 20% MONATLICH. Von 1988 bis 1992 verdoppelte sich die Anzahl der Netzknoten jedes Jahr. Inzwischen hat das Internet lange den traditionellen Bereich der Hochschulen verlassen und ist auf immer breiterer Basis allgemein verfügbar.